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Leipziger Nachtgespräch


- Dialoge zur kommenden Gesellschaft -


Der Impuls



Als Impulsgeber für das Fortführung des berühmten „Leipziger Nachtgespräches“ von 1913 sind die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen zu benennen. Vom damaligen Leipziger Nachtgespräch ist kaum etwas bekannt, Prof. Dr. F. O. Rest hat aus Tagebüchern und Notizen konstruiert, was geschehen war und was bei einer Fortführung noch hätte geschehen können. Dieses wurde ausgelöst durch die aktuellen politischen und somit gesellschaftlichen Entwicklungen und dazu passend ein Buch von Prof. Dr. Franco H.O. Rest: „Gottes Plan mit den Menschen. Historischer Roman zum Leipziger Religionsgespräch (1913) zwischen Franz Rosenzweig und Eugen Rosenstock“.


DREI FRAGEN AN HERRN PROF. DR. REST



In der Nacht vom 7. auf den 8. Juli 1913 trafen sich der spätere bedeutende jüdische Philosoph Franz Rosenzweig (Hauptwerk: „Stern der Erlösung“) und der zum Protestantismus konvertierte damalige Rechtshistoriker Eugen Rosenstock (später bekannt unter dem Doppelnamen „Rosenstock-Huessy“) zu einem „Religionsgespräch“ über das Verhältnis von Judentum und Christentum. In der Kaiserzeit gab es eine umfangreiche Konversionsbewegung von Juden zum Christentum, zu der besonders Eugen Rosenstock, die späteren Theologie-Professoren Franz und Rudolf Ehrenberg und viele andere gehörten; auch Franz Rosenzweig trug sich zu dieser Zeit mit dem Gedanken einer Konversion. Das Gespräch mündete jedoch in der Rückbesinnung Franz Rosenzweigs zu einem fundamental begründeten, vernunft-geleiteten und von Bildungsimpulsen getragenen Judentum, aus dem heraus es schließlich zur Gründung des Jüdischen Lehrhauses in Frankfurt/M. kam und er zum bedeutendsten Übersetzer der Thora in die deutsche Sprache wurde. Das Gespräch fand also unbeeinflusst vom späteren Holocaust, von den Weltkriegen usw. statt; hätte es fortgesetzt werden können, wäre der Jüdisch-Christliche Dialog sicher anders verlaufen. Leider haben die Teilnehmenden das Gespräch nirgendwo aufgeschrieben oder gar rekonstruiert, sondern lediglich in Briefen, Tagebüchern usw. davon berichtet. Es ist auch nicht bekannt, ob weitere Personen am Gespräch teilgenommen haben, obwohl z.B. Rudolf Ehrenberg von Franz Rosenzweig bereits als Taufpate angesprochen worden war. Bei der von mir vorgelegten Rekonstruktion des Gespräches habe ich die Gesprächsrunde auf vier Männer und drei Frauen anwachsen lassen, welche im weiteren Verlauf der Beziehungen eine besondere Rolle gespielt haben, neben Rosenzweig und Rosenstock die beiden Vettern Rudolf (damals Biologe) und Hans (damals Nationalökonom) Ehrenberg, sowie die späteren Ehepartner Else Zimmermann (Lehrerin/Ehrenberg), Margrit Huessy (Kunstgeschichtlerin/Rosenstock) und Edith Hahn (jüdische Lehrerin/Rosenzweig). Alle Gesprächspartner, insbesondere die vier Männer, veränderten nach dem Gespräch ihr Leben grundsätzlich. Also muss sich in dem Dialog etwas ereignet haben, das eine solche Nachhaltigkeit auslösen konnte.
Neben den intensiven Lebenswenden, welche das Gespräch auslöste, kam es vor allem zu philosophisch-spirituellen Impulsen, welche die Beziehung der Religionen hätte nachdrücklich beeinflussen können: Eugen Rosenstock entdeckt die Bedeutung der Sprach-Philosophie für die Verständigung der Menschen, die Vettern Ehrenberg gehen in den theologisch und existentiell begründeten Widerstand gegen den nationalsozialistischen Faschismus und gegen den antisemitischen Rassenhass bis hin zur Bekennenden Kirche; vor allem aber Franz Rosenzweig erkennt den Nicht-Widerspruch zwischen dem christlichen „Zugang zu Gott, dem Vater, über den Sohn Jesus“ und dem „immer bereits Beim-Vater-Sein des jüdischen Volkes“.
Das nur in Bruchstücken überlieferte Gespräch bewegte mich seit meinem Studium der Theologie und Sozialwissenschaften. Deshalb gab ich dem aus seiner, die vorhandenen Quellen nutzenden, Rekonstruktion den vermessenen Titel „Gottes Plan mit den Menschen“. Demnach versuchte Gott immer wieder trotz der vielen, ihm von den Menschen bereiteten Enttäuschungen seinen Dialog mit den Menschen nicht abzubrechen, sondern stetig zu erneuern und zu vertiefen; damit endet schließlich das Buch.

Die Idee



Die Idee ist nun einen Dialog zu gestalten. Dabei begreifen wir diesen Dialog als den Beginn eines gemeinsamen Denkprozesses, in dem das Zuhören den elementaren Grundstein bildet. Erst wenn inneres Schweigen herrscht, kann Zuhören entstehen. So wird ein Dialogpartner einen Impuls geben, dem es zunächst zuzuhören gilt; das Erkennen und Beobachten der eigenen Gedanken und Emotionen bekommt zunächst Raum, bevor wir dazu übergehen, sie zu artikulieren und Rückmeldungen zu geben. Die „Leipziger Nachtgespräche – Dialoge zur kommenden Gesellschaft“ bieten den Rahmen zur Auseinandersetzung mit Themen, die unsere Gesellschaft aktuell bewegen und herausfordern, und sollen zu einer wirksamen Entwicklung beitragen.